Wieder wird es langsam Zeit, sich mit den Vorsätzen für das kommende Jahr auseinanderzusetzen. In Zeiten, da fehlende Wertschätzung, Gewalt und Unterdrückung gegenüber Frauen unsere Gesellschaft beschäftigen wie kaum jemals zuvor, planen wir für einmal keine Speck-weg-Übungen oder regelmässige Schwiegermutter-Besuche. Ein Schelm ist, wer jetzt denkt, meine Ratschläge zielen auf bessere Akzeptanz oder Gleichstellung der Frauen in unserer Gesellschaft. Diese Einstellung setze ich bei jedem normal denkenden und mit dem nötigen Anstand ausgestatteten Mann sowieso voraus. Nein, hier sind zehn Fertigkeiten, deren Beherrschung und Anwendung zwar weder das Leid um den Pussygrabscher lindern, noch Frauenhasser milde stimmen. Aber sie tragen dazu bei, Respekt und Herzlichkeit der Liebsten gegenüber in einem noch helleren Licht strahlen zu lassen.

  1. Austern öffnen. Zu dumm. Mann kauft Austern und verzweifelt am Aufmachen. Übrigens gründet die Assoziation Austern=Aphrodisiakum auf dem Mythos, dass Aphrodite, die griechische Liebesgöttin, einer Austernschale entsprang. Fakt ist, Austern sind zinkhaltig und ein Defizit davon kann zu Impotenz führen. Doch wissenschaftliche Beweise, dass Austernkonsum den ‘Drive’ erhöht, fehlen. Daran änderte auch mein Rekord (86 St. Catalina Bay Nr. 2 an einem Lunch in Kapstadt) nichts. Die waren einfach saugut.
  2. Eier zubereiten. Ob das perfekt mollig-schlotzige Spiegelei, das flauschigste Rührei oder ein pochiertes Ei, dessen Eigelb wie flüssige Lava der durchscheinenden Eiweisshülle entfliesst: Liebesbeweise durch den Magen zählen zu den Schönsten.
  3. Den Himmel lesen. Beim Wandern verirrt? Gibt es eine eindrücklichere Art der Navigation, als mit Hilfe der Sterne am Nachthimmel heim zu finden? Dem Smartphone geht irgendwann der Strom aus, doch Polaris und das Kreuz des Südens weisen uns bin in alle Zeiten den Weg heim.
  4. Blumen arrangieren. Wer denkt, mit dem Kauf eines (fertigen) Blumenstrauss ist der Liebe Genüge getan, irrt. Die richtige Auswahl, Zusammenstellung, die passende Vase, das Wissen um Wasserstand und Schnitt, das alles erst macht die Freude perfekt.
  5. Kaffee machen. Nicht einfach nur Kaffee. Den Besten. Einerlei, ob mittels Filter, Baletti-Kanne oder Kleinwagen-teurer Espressomaschine. Wer keinen richtig guten Kaffee hinkriegt, hat schon verloren.
  6. Basis Knoten beherrschen. Den richtigen Knoten für die richtige Anwendung zu lernen, ist unglaublich befriedigend. Nicht vergessen: Das Ziel eines guten und passenden Knoten ist nicht, wie einfach er zu knüpfen ist. Sondern wie leicht man ihn wieder lösen kann.
  7. Champagner sabrieren. Weil die Fertigkeit, eine Champagnerflasche mittels eines Säbels zu entkorken, nur einmal im Jahr zur Anwendung kommt (nämlich am Geburtstag derjenigen, die wir auf Händen tragen), muss das sitzen. Und zwar ohne lange herumzueiern. Also üben im stillen (wasserdichten) Kämmerlein.
  8. Kompost starten. Wieviele Möglichkeiten, aus Nichts etwas zu kreieren, begegnen wir im Leben? Kompostieren – das Rezyklieren organischen Materials zur nützlichen Anreicherung der Erde, die uns ernährt – ist ein kleiner Schritt für jeden Einzelnen, aber ein grosser für die Menschheit.
  9. Fire Cider ansetzen. Das Elixier – ein Jahrhunderte altes Hausmittel zur Vorbeugung von Grippe und all ihren Auswirkungen – wirkt auch bei Verdauungsstörungen. Die Natur ist grosszügig, ihre Medizin unkompliziert. Das sorgfältige Ansetzen eines tatsächlich wirkenden Arzneimittels mit den eigenen Händen, nur damit, was die Natur uns gibt, ist schon für sich allein ein Heilungsprozess. Die Früchte dieser Arbeit mit denen teilen und Linderung bringen, die einem am nächsten stehen, ist ein grossartiger Lohn. Rezept siehe unten.
  10. Küchenmesser richtig behandeln. Kochen ist Kunst und Handwerk zugleich und für einzigartige Ergebnisse braucht es verlässliche, gepflegte Werkzeuge bester Qualität. Mehr als drei braucht man nicht. Lieben und ehren Sie sie. Schärfen Sie sie. Behandeln Sie die Messer wie Familienmitglieder. So gereicht Vorbereiten und Kochen zum reinen Vergnügen.

Jedes dieser how-tos ist eine Möglichkeit, die Kunst des Alltäglichen etwas besser zu meistern. Was mir aber viel wichtiger scheint: Sich solcherart Aufgaben für das neue Jahr zu setzen und sie anzuwenden, lässt nicht nur den nahen Liebsten die Herzen aufgehen. Sie machen auch unser Leben ein kleines Stücklein reicher.

 

Rezept Fire Cider

Der erste Schluck Fire Cider geht etwa so: Man zuckt zusammen. Schüttelt sich, schluckt. Wundert sich, wie augenblicklich gestärkt man sich fühlt. Was ist das Geheimnis dieses magischen Gebräus? Traditionellerweise ein Erkältungsmittel, aber auch heilendes Tonic, hat es eine antibakterielle, entzündungshemmende und abschwellende Wirkung. Es hilft aber auch gegen Verdauungsbeschwerden und stärkt die Immunkraft, zb. gegen die Grippe. Müssig zu erklären, dass eine Medizin, die sich gegen (fast) alles bewährt, kein Wässerchen für die allzu sensitive Zunge ist und auch etwas Mut voraussetzt, sich einige Schlucke davon zu gönnen. Bei ersten Anzeichen einer Erkältung 3 – 4 Esslöffel alle 4 Stunden, bis die Symtome wieder verschwinden. Wichtig ist auch die präventive Einnahme, wenn die feucht-kalte Jahreszeit naht. 1 Esslöffel pro Tag und wir gehen alle grippefrei durch den Winter.

Der Name Fire Cider hat den Ursprung in seinen Zutaten: Feuer für Meerrettich und Ingwerknollen, Jalapeno Chilis und Gelbwurz; Cider für die Apfelessig-Basis, in der sich alle die nützlichen Ingredienzien sammeln. Was gerade saisonal ist, kann einen speziellen Geschmack dazu beitragen, also gilt es auch mit Orangenschalen oder frischen Kräutern wie Rosmarin oder Thymian zu experimentieren, je nach Geschmack. Es gibt unzählige Versionen, doch das hier ist mein Favorit. Wenn immer möglich, nimm biologische Zutaten.
Übrigens, zum Hexen verjagen taugt das Gebräu ebenfalls.

Zutaten:

1 Liter Apfelessig
200g Ingwer, ungeschält und frisch gerieben
200g Meerrettich, frisch gerieben
1 Zwiebel, grob gehackt
10 Knoblauchzehen
2 Jalapeno Chilis, grobgehackt
1 Zitrone, Saft davon und die Hälfte der fein abgeschnittenen Haut
1 Esslöffel Gelbwurz (Turmeric)
1/2 Teelöffel Cayennepfeffer
4 Zweige frischer Rosmarin
150g Honig (mehr oder weniger, je nach Geschmack)

Zubereitung:

Alle Zutaten – ausser dem Honig – in einem grossen Glas zusammenrühren. Ein Stück Back- oder Metzgerpapier zwischen Glas und Deckel klemmen, damit der Essig nicht mit dem Metall des Deckels in Berührung kommt.
Das Glas an einem dunklen, kühlen Ort 1 Monat lagern, täglich schütteln.
Nach einem Monat die Flüssigkeit durch ein feines Tuch in ein weiteres Glas leeren, dabei gut wie möglich die Zutaten im Tuch ausdrücken, um möglichst viel Extrakt zu erhalten.
Die Hälfte des Honigs einrühren, bis er sich auflöst, dann gleich mit dem Resthonig verfahren. Der Honig sollte immer erst kurz vor der Verwendung eingerührt werden. Seine natürliche, antibakterielle Wirkung würde auch alle guten Bakterien killen, die wir im Glas wachsen lassen wollen und sein Zucker könnte eine Hefe-Gärung forcieren, anstatt die Bakterielle, welche wir hier erreichen wollen.
Fire Cider kann auch zum Inhalieren verwendet werden, dabei mit kochendem Wasser mischen und mitsamt dem Kopf unter einem Tuch seine Wirkung verrichten lassen.

 

 

 

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