Nein, bereut habe ich es nie. Obwohl, es war kein Kinderspiel, Deiner habhaft zu werden, damals, noch ohne Hilfe des grossen, weiten und vor allem anonymen Netzes. Ich wurde in einer einschlägigen Publikation auf Dich aufmerksam, und nur durch meine Beziehungen zu einem mit der Szene bestens vertrauten Mittelsmann kamen wir zusammen, auf verschlungenen Pfaden fandest Du schliesslich den Weg zu mir. Ein grosses Glück für mich, für uns, Dein Zimmerchen war vorbereitet, klaglos hast Du Dein neues Heim tief unter der Erde bezogen, Dich nie in all den folgenden Jahren darüber beschwert, fernab von Tageslicht und wärmenden Sonnenstrahlen, ja, sogar die Jahreszeiten habe ich Dir vorenthalten. Was blieb mir anderes übrig, als Dich wegzusperren? Der tiefe Keller, den ich – fernab von Gesetz und Obrigkeiten – im Geheimen ausgebaut hatte, schien mir der richtige Ort, um Dich so nahe wie möglich bei mir zu wissen, Dich jederzeit bewundern zu können, Zeit mit Dir zu geniessen und trotzdem das Wissen um Deine Existenz mit keinem anderen teilen zu müssen. Schon so lange bist Du mein süsses, kleines (Deine stattliche Grösse verbietet eigentlich jedwelches Diminutiv) Geheimnis. Meine österreichischen Landsleute mütterlicherseits reklamieren das ‚die-Liebste-in-den-Keller-sperren‘ für sich, aber wir Schweizer haben es erfunden. Genauer, mein Vater. Mit meiner dickköpfigen Weigerung, einen grossen Teller zu Brei gekochten Spinat aufzuessen, landete ich damals, als Sechsjähriger, in unserem finsteren, feuchten Keller. Dort unten blieb ich weggesperrt, für eine Nacht und einen Tag, ohne Licht und Wärme, dafür mit dem Spinat. Ich ass ihn nicht. Doch das ist eine andere Geschichte.
Immer wieder stieg ich zu Dir hinunter, in all den Jahren, lag mir doch nichts mehr am Herzen, als Dein Wohlbefinden. Zärtlich nahm ich Dich in die Arme, streichelte über Deine ebenmässigen Schultern. Ich reinigte dein Kleidchen von Zeit zu Zeit, manchmal schien der Kampf gegen den Staub beinahe aussichtlos. Nur mit grösster Anstrengung widerstand ich der Begierde, Dir noch im Keller Deine Jungfräulichkeit zu rauben, Deinen Duft in mich einzusaugen und mich an Deinem mittlerweile reifen Körper zu verlustieren. Einige Male nahm ich Dich gar mit hinauf, vorsichtig, darauf bedacht, Dich nicht zu stark dem Tageslicht auszusetzen; zuviel davon hätte Dir geschadet. Der Versuchung, Dich auf Fotos unsterblich zu machen, konnte ich nicht widerstehen; ein Kleingeist, der hier Obszönes denkt! Just in einem dieser raren, glücklichen Momente überraschte mich mein bester Freund, unmöglich war es von nun an, ihm mein grösstes Geheimnis länger vorzuenthalten. Natürlich gab er keine Ruhe, seine ähnlich gelagerten Interessen waren mir wohlbekannt. Genauso wie sein Credo, das er mantrahaft wiederholte: Eine stattliche Erscheinung wie Du, mit reifem, üppigem Körper, sei doch wie geschaffen, um zwei Gentlemen einen Nachmittag lang unvergessliche Glücksmomente zu bescheren. Nur, für mich war immer klar, Du gehörst mir ganz alleine. Deine berauschende Einmaligkeit teile ich mit niemandem, einen ganz besonderen Tag werde ich für uns aussuchen und eine magische Stimmung dazu kreieren, denn nichts anderes hast du verdient, Du, meine geliebte Doppelmagnum Chateau Lafite-Rothschild 1982.

 

Size matters

Warum Weine in grossen Flaschen besser schmecken und die Magnumflasche das ideale Format für Champagner ist.

Weine in Grossflaschen (ab Magnumgrösse = 2x 750ml) sind oft ein grösserer Genuss als aus der Normalgrösse. Der Wein darin reift langsamer, gemächlicher. Aus einem ganz einfachen Grund. Die Oberfläche des Inhaltes oben beim Flaschenhals ist annähernd gleich gross wie bei der 750ml Flasche, aber bei doppeltem Inhalt. Da ist dann die Interaktion des Sauerstoffs mit dem Wein klar langsamer. Bei noch grösseren Flaschen verstärkt sich dieser Effekt noch. Zudem nimmt der Wein in Grossflaschen Temperaturschwankungen gemächlicher hin. Und die Giganten der Weinwelt sind richtigehende Hingucker. Natürlich wird das Handling von Flaschen mit 3 und mehr Litern Inhalt anspruchsvoller, des Gewichts und der Grösse wegen. Gerade weil der Wein darin längere Lagerzeiten verträgt, ja, oft sogar erfordert, sollte er  vor dem Genuss dekantiert werden. Nur, wer besitzt schon Karaffen mit 6 Litern Inhalt? Es bleibt somit einzig die Verteilung auf mehrere Karaffen.  Ein weiterer Nachteil, hat der Wein Korkgeschmack oder einen anderen Fehler, ist der Schaden ungleich grösser. Als Idealgrösse hat sich die Magnumflasche etabliert. Sie wird von vielen Weingütern abgefüllt, im Gegensatz zu grösseren Formaten, ist auch von zarten Damenarmen noch einschenkbar und erfordert keine x-fach längere Reifedauer als Wein aus der 750ml Flasche. Zudem sind von diversen Gläser-Manufakturen Magnum Karaffen im Angebot. Vor allem bei Champagner ist diese Grösse perfekt. Grössere Champagnerflaschen sind nicht zu empfehlen, da die zweite und wichtige Gärung (Méthode Champenoise) maximal in Magnumflaschen stattfinden kann. In grösseren Flaschen würde dabei ein zu hoher Druck entstehen, die Flaschen könnten diesem nicht standhalten. Somit bleibt nur die Befüllung mit fertigem Champagner  aus der entsprechenden Anzahl 750ml Flaschen. Eine klare Qualitätsminderung. Noch ein Wort zu halben Flaschen. Hier gilt dasselbe, aber in umgekehrter Richtung. Der Wein darin alter rascher, und für mich der grösste Nachteil: Zweimal daran riechen und leer ist sie.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Flaschengrössen, teilweise differenzieren die Bezeichnungen nach Herkunftsregionen.

Inhalt Bezeichnung Bordeaux Bezeichnung Burgund Bezeichnung Champagne
37,5cl Halbe Flasche, Schöppli Halbe Flasche, Schöppli Halbe Flasche, Schöppli
75cl Normalflasche Normalflasche Normalflasche
150cl Magnum Magnum Magnum
300cl Doppelmagnum Doppelmagnum Jéroboam
600cl Impériale Methusalem Methusalem
9 Lt. Salmanazar Salmanazar Salmanazar
12 Lt. Balthasar Balthasar Balthasar
15 Lt. Nebukadnezar Nebukadnezar Nebukadnezar
18 Lt. Melchior Goliath Goliath

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