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NZZ: Richards Welt

Make soup great again

Superfood, Grüsse aus der Küche, vegane Würstchen: Sie machen uns das Leben schwer. Lernen wir doch, darauf zu verzichten. Natürlich nicht auf tolles Essen, sondern auf Foodtrends, die niemand braucht.

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Harte Zeiten sind es. Der Januar, eisig wie überlagertes Sorbet im Tiefkühlfach. In den USA der Herr Trump und seine Adlaten, die gerade die Welt durchnudeln und nicht den Anschein machen, als hätte ihnen das Schicksal eine angemessene Portion Demut mit auf den Lebensweg gegeben. Nun, da gibt es für mich noch weiteres aus der Welt zu schaffen. Die Liste ist nicht vollständig, und Betroffene sollten sich nicht in die Hosen machen. Denn anders als dem pubertären Gockel in Amerika bleibt es mir versagt, ein Dekret zu unterzeichnen und damit meinen Worten Taten folgen lassen. Vielleicht auch besser so.

Acai-Granola-Porridge-Beeren-Smoothie-Breakfast-Bowl: Genug ist genug. Die überbelichteten Fotos von undefinierbarem Zeugs, auf und neben Tellerchen, mehr noch, direkt die auf Tische hingebrösmelt, verstopfen die sozialen Netzwerke und leuchten aus jedem Food-Magazin.

Superfood: vor allem superteuer. Wer sich täglich eine anständige Portion Obst und Gemüse einwirft, bei kaltgepressten Ölen nicht spart und nicht täglich Fleisch isst, wird steinalt. Und macht mit dem eingesparten Geld eine Kreuzfahrt.

Gruss aus der Küche: bitte nicht. Stellt mir nicht ungefragt eine Köstlichkeit hin und erklärt mir, was es ist. Aus den Küchen sollen sie gutes Essen schicken, keine Grüsse.

Vegane Ersatzprodukte: Nein! Käse aus Cashews. Vegane Burger. Fondue aus weiss der Geier was. Schnitzel aus Tofu. Nein. Wer keine Milch verträgt und/oder keine Milchprodukte essen will, isst keinen Käse, ergo auch kein Fondue. Warum, bitte, muss für Veganer etwas erdacht werden, das aussieht und schmeckt wie etwas, das zu essen sich ihrer Weltanschauung verschliesst? Für Allesesser scheint die Idee, eine Karotte aus Rindermark nachzubauen, Lichtjahre entfernt.

Restaurantkritiken: Zu oft erleben ich und andere Esser Küche, Service und Ambiance eines Restaurants komplett anders als die selbsternannten Profis der schreibenden Kulinarik-Zunft. Zu subjektiv sind Geschmacks- und Stilempfinden, darum schimmern immer persönliche Vorlieben oder Abneigungen durch die Texte. Und die interessieren keinen. Braucht es denn die oft von langfädigen Passagen durchzogenen Kritiken, die auch noch das letzte Beizen-Loch in den Himmel loben? Oder Empfehlungen, die sich Köche auf einschlägigen Blogs erkaufen, um dort bella figura zu machen? Hinweise auf Neueröffnungen, eine Bestenliste, dazu einige knackige Sätze über die Philosophie des Kochs genügen. Zudem schärft die eigene, unbeeinflusste Erfahrung Geschmack und Urteilsvermögen.

Nun, Trost für derlei Unbill spendet ein Trend, der aus dem Trump-Land zu uns herüber schwappt. Und der erst noch perfekt zur kalten Jahreszeit passt: Brühen. Aus Knochen und Gemüse, viele Stunden lang vor sich hin geköchelt. Sie sind nicht weniger als die Quintessenz und Basis jeder grossen Küche, einige Becher täglich versprechen wohlige Sättigung, wärmen Bauch und Seele gleichermassen und sind gesünder als jedes Superfood. Ihre Herstellung ist kinderleicht, und ist sie erst einmal angesetzt, überlässt man die Brühe sich selbst. Sie dankt es mit ihrem Duft nach Glück, Mamas Herd und grande cuisine. Knochen und Teile wie Hühnerhälse oder -füsse besorgt gerne der lokale Metzger, ihre Verwendung wird der angesagten Nose-to-Tail-Philosophie maximal gerecht.

https://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/richards-welt-make-soup-great-again-ld.150252

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